SONNENBERG
KLINIK
Fach- und
Rehabilitationsklinik für Onkologie (AHB), Hämatologie und
Immunologie
Hardtstraße 13
- 37242 Bad Sooden-Allendorf -
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Bewegungstraining
Gezieltes Bewegungstraining bei Krebs und chronischem
Fatigue-Syndrom
Chronische Müdigkeit und Erschöpfung
belasten viele Krebspatienten während und oft auch noch lange nach der
Tumortherapie. Die Gründe hierfür sind vielfältig, eine gezielte Behandlung der
Ursachen ist nicht immer möglich. Untersuchungen haben gezeigt, dass nach
Krebsbehandlung die körperliche Leistungsfähigkeit deutlich eingeschränkt ist.
Der Herzschlag ist in Ruhe erhöht, der maximale Herzschlag unter Belastung
vermindert, die Sauerstoffaufnahme reduziert und die Muskelkraft oft vermindert.
Der gut gemeinte Ratschlag, sich in dieser Situation bei Müdigkeit auszuruhen
und körperlich zu schonen kann fatale Folgen haben. Bereits kurzfristige
Bettruhe kann zu Muskelabbau führen. Dagegen konnten Weltraummediziner
nachweisen, dass gezieltes
Bewegungstraining den Muskelabbau in der
Schwerelosigkeit verhindern kann.
1.
Warum körperliches Bewegungstraining?
Studien mit individuell dosiertem Programm für Bewegungstraining bei
Krebspatienten konnten zahlreiche positive Wirkungen nachweisen. Neben einer
verbesserten körperlichen Leistungsfähigkeit war auch eine Verminderung von
Müdigkeit und Erschöpfung, Besserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und
des psychomentalen Befindens nachweisbar. Ein gezieltes körperliches
Bewegungstraining während der Krebsbehandlung führt zu einer Abnahme von
Nebenwirkungen wie Blutbildungsstörungen, Übelkeit oder chronische Erschöpfung.
Bei chronischem Fatiguesyndrom ist ein strukturiertes Programm für körperliches
Bewegungstraining die derzeit erfolgversprechendste Behandlungsmethode.
2.
Voraussetzungen und Vorbereitungen für körperliches
Bewegungsstraining bei chronischem Fatiguesyndrom
Ursachen für ein chronisches Fatiguesyndrom, die medizinisch zu behandeln sind,
wie z.B. Anämie oder hormonelle Störungen, sollten primär ausgeschlossen werden.
Vor Aufnahme des körperlichen Bewegungstraining
s bei chronischem Fatiguesyndrom sollte eine
medizinische/sportmedizinische Untersuchung erfolgen. Hierbei sind
Vorerkrankungen, Begleiterkrankungen, Risikofaktoren wie Hochdruck, Diabetes
mellitus oder Übergewicht und die erfolgte Krebsbehandlung zu berücksichtigen.
Die Einschätzung der Eingangsbelastung für das Bewegungstraining ist abhängig
von der Muskel- und Gelenkbelastbarkeit, dem Ernährungszustand, der
Herz-Lungen-Funktion und dem sportlichen Trainingszustand vor der Erkrankung.
Das körperliche Leistungsvermögen kann durch die maximale Sauerstoffaufnahme pro
Minute, die maximale Herzfrequenz oder auch die subjektiv empfundene Anstrengung
(Borg-Skala) bestimmt werden.
Während das Ausdauertraining (Muskelanspannung mit Bewegung) die
Herz-Lungen-Leistungsfähigkeit steigert, kommt es bei Muskelanspannung ohne oder
mit nur geringer Bewegung (isometrisches Training, Krafttraining) zur Erhöhung
der Muskelkraft.
3.
Welche körperliche Aktivität kommt für mich als
Bewegungstraining in Frage?
Je nach Vorliebe und möglichen Einschränkungen bzw. Behinderungen kommen für die
körperliche Aktivität alle Ausdauersportarten und ergänzend ein den persönlichen
Bedürfnissen entsprechendes Krafttraining in Frage. Geeignete Ausdauersportarten
sind Gehen, Laufen, Radfahren, Schwimmen, Inlineskaten oder Langlaufski. Genaue
Abstufungen der Belastungen können am Fahrradergometer oder Laufband erfolgen.
Die Belastungsintensität sollte ohne Sauerstoffschuld, d.h. aerob erfolgen. Eine
leicht meßbare Größe ist der Herzschlag, der relativ proportional zur
Sauerstoffaufnahme ist. Die Trainingsherzfrequenz zur Steigerung der Ausdauer
sollte etwa 60 bis 80 % des Maximalherzschlags betragen (annähernd 180 -
Lebensalter). Pulskontrollen können auch durch elektronische Pulsmesser
erfolgen.
Neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass auch Krafttraining bei Krebspatienten
Fatigue reduzieren und die Lebensqualität verbessern kann. Krafttraining für die
wichtigsten Muskelgruppen kann in einem qualifizierten Fitness-Studio unter
Anleitung oder als Heimtraining mit dem eigenen Körpergewicht als Widerstand
durchgeführt werden. Auch hier sollten Sie sich von Ihrem Arzt vor Aufnahme des
Trainings beraten lassen. Geeignete Empfehlungen für Bewegungstraining finden
Sie auch im Buchhandel. Idealerweise sollte dynamisches und isometrisches
Bewegungstraining kombiniert werden.
4.
Plan für das Bewegungstraining
Vor Aufnahme des körperlichen Bewegungstraining s ist nach Angaben des Arztes und Sporttherapeuten ein Trainingsplan
aufzustellen. Zur Kontrolle sollte ein Trainingstagebuch mit Angaben zur
subjektiven Befindlichkeit (Erschöpfung, Muskelkater usw.) und zum Belastungs-
und Erholungspuls geführt werden. Es empfiehlt sich ein individuell dosiertes
Ausdauertraining ca. 3 bis 5 mal pro Woche in Form eines Intervalltrainings. Bei
nur geringer initialer Belastbarkeit wird zunächst nur ein bis drei Minuten mit
60 bis 80 % der maximalen Herzfrequenz trainiert, anschließend Erholungspause
und Wiederholung. Die Belastung wird wöchentlich um drei Minuten Dauer
gesteigert, bis zu einer Ausdauerbelastung von 30 bis 40 Minuten. Eine Pause
beim Bewegungstraining ist einzulegen bei Schmerzen, Versteifung, Erschöpfung
oder Infektion. Vor Aufnahme des körperlichen Bewegungstraining s sind grundsätzlich Dehnungsübungen (Stretching) und eine Aufwärmphase (warm-up)
vorzuschalten. Dehnen und langsames Auslaufen schließen das Bewegungstraining
auch ab.
Es empfiehlt sich zum Erhalt der Muskulatur ca. 2 bis 3 x pro Woche Übungen
gegen Widerstand (Krafttraining für alle wichtigen Muskelpartien) durchzuführen.
Hierzu sind weder Maschinen noch Hanteln erforderlich. Nach Dehnen und Aufwärmen
(z.B. 5 Minuten lockeres Laufen) werden 6 bis 9 Übungen mit jeweils 12
Wiederholungen durchgeführt. Nach den ersten Wochen und Kraftzuwachs können dann
die Wiederholungen gesteigert oder die Gesamtdurchgänge häufiger durchgeführt
werden.
Beispiele für das Bewegungstraining:
1. Rückenmuskulatur:
Im Sitzen bei seitwärts gestreckten Armen, Daumen nach unten werden die Arme
soweit wie möglich nach hinten geführt, Variation Arme nach oben strecken,
Daumen nach hinten, Schulterblätter zusammenführen. Mit dem Rücken an einen
Tisch lehnen, mit durchgestreckten Armen abstützen, Kopf nach hinten und
zwischen die Schulterblätter bewegen.
2. Brust-Schulter-Muskulatur:
Liegestütz auf Knien oder klassischer Liegestütz.
3. Bauchmuskulatur:
In Rückenlage Kopf und Schultern leicht anheben, einen Arm nach hinten strecken,
gleichzeitig das Bein der selben Seite anwinkeln und Knie hochziehen, das andere
Bein ist gestreckt. Nun im Wechsel strecken.
4. Oberschenkelmuskulatur:
Ausfallschritt, vorderer Fuß berührt den Boden, hinterer Fuß steht auf der
Ferse. Körper nach unten bewegen, bis vorderer Oberschenkel waagerecht ist und
das hintere Knie den Boden fast berührt.
5. Anspannung Muskulatur gegen Widerstand:
Halten Sie den rechten Unterarm mit der linken Hand fest und spannen Sie kurz an,
anschließend Armwechsel, beugen Sie gegen Widerstand der anderen Hand im
Handgelenk und strecken Sie gegen Widerstand, stellen Sie sich in den Türrahmen,
legen Sie den angewinkelten Oberarm gegen die Wand und spannen Sie mit dem
großen Brustmuskel jeweils im Wechsel an usw.
5. Auswirkungen des Bewegungstraing s
Ein gezieltes Programm für das körperliche Bewegungstraining nach
Krebserkrankung kann die körperliche Dekonditionierung reduzieren, die
Fatiguesymptomatik vermindern und Belastbarkeit, psychisches Befinden und den
immunologischen Status verbessern. Darüber hinaus bestehen günstige Wirkungen in
der primären Prävention von kardiovaskulären Erkrankungen und verschiedenen
Krebserkrankungen. Körperliche Aktivität verlängert nicht nur das Leben, sondern
verbessert auch die Lebensqualität.
Anleitungen zum gezielten körperlichen
Bewegungstraining mit Aufstellung eines Trainingsplans erhalten Sie auch im
Rahmen einer stationären Rehabilitation in der Sonnenberg-Klinik.
Sporttherapeuten kontrollieren Ihren Therapieerfolg und geben Ihnen Empfehlungen
für die Fortführung des häuslichen Bewegungstraining s.
Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und
Freude bei der Bewegung.
Mit
den besten Wünschen für Ihre Gesundheit
Ihre Sonnenberg-Klinik

Zur Klärung
weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht
Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte
vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
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Aktualisiert:
Juni 2010
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